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„Elisabeth“, spricht Klaus seine Frau an „Ich hab jetzt beim Hubert Mayerhofer, weißt eh, beim Spengler, gesehen, dass der sein Logo auf seinem Arbeitsmantel hat. Meinst nicht, wir würden sowas auch brauchen?“ Als der selbständige Elektriker Klaus Mantler mit seiner Frau darüber spricht, Arbeitsgwand für sich und seinen Lehrling marketingtechnisch aufzupeppen, erntete er nur eine kritische Bemerkung: „Klaus“, sagte Elisabeth „dir ist aber schon klar, dass du davor noch andere Hausaufgaben machen musst, oder?“ Die besserwisserische Art seiner Frau ist ihm in den letzten Wochen öfter auf die Nerven gegangen. Aber diesmal hat sie wohl leider recht. Klaus kauft seit Jahren die gleiche Arbeitshose und kombiniert sie mit einem blauen Polo. Seit sein Lehrling David ihn begleitet, bekommt auch er diese Ausstattung. Klaus ist schon aufgefallen, dass die Hose bei David nicht perfekt sitzt, aber gesprochen haben sie über das Thema noch nie.

Mehr Kopfzerbrechen als das bereitet Klaus aber die Gestaltung seiner Arbeitskleidung. Bestickt oder bedruckt soll sie werden. Aber wie entscheidet er, ob es Druck oder Stick sein soll? Und woher wird er das passende Motiv nehmen? Er hat vor sieben Jahren nicht nur den Handwerksbetrieb von seinem Vater übernommen, sondern gleich auch dessen Logo. Gefallen hat es ihm nie so recht, aber da er immer genug Arbeit hatte, hat sich für ihn noch nie die Frage gestellt, ein neues in Auftrag zu geben. Bei genauerer Betrachtung schaut das alte Logo doch etwas unmodern aus, aber eine neue Idee dazu hat er ja noch nicht.

Klaus hat mal davon gehört, dass bestimmte Farben im Marketing eine besondere Bedeutung haben, aber er kennt sich da nicht aus und will sich auch gar nicht damit beschäftigen. Und selbst wenn er die passenden Farben wüsste, soll er nur das Logo in diesen Farben gestalten lassen, oder auch die Arbeitshosen in diesen Farben aussuchen? Und wenn ja, wo soll er die auftreiben?

Was aber noch viel schlimmer ist: Klaus geht davon aus, dass die Druckerei, die ihm die Arbeitskleidung dann bedrucken oder besticken soll, das Logo in einem bestimmten Format braucht. Auch davon weiß er nicht viel. Natürlich sagen ihm die Endungen.jpg und .png etwas, aber damit endet auch schon sein Wissen. Und er mag gar nicht bei der Druckerei nachfragen, weil er befürchtet, dass er dann eine Menge Ausdrücke zu hören bekommt, die ihm ohnehin nichts sagen.

Und im Grund fängt ja alles noch viel früher an. Hat Klaus sich überhaupt schon mal Gedanken darüber gemacht, wer seine Zielgruppe ist und wie er auf sie zugehen möchte? Hat er ein Marketingkonzept, das ihm Orientierung für die Auswahl seiner gebrandeten Arbeitskleidung gibt? Und was könnte so ein Arbeitsgwand, das individuell für ihn gebrandet wird, kosten?

Und dann: Wie soll er mit der Druckfirma Kontakt aufnehmen? Können sie ihm am Telefon überhaupt etwas sagen? Extra hinzufahren, das bringt er in seinem prall gefüllten Arbeitstag kaum unter.

Und dann sieht er wieder seinen Lehrling vor sich, in der schlecht sitzenden Arbeitshose. Was ist, wenn er jetzt neue Arbeitshosen bestellt, und die passen dann wieder nicht? Wie viele Stück wird er brauchen? In welcher Größe?

Wie groß sollte das Logo sein? Was ist, wenn die Qualität der Logodatei, die er übermittelt, nicht gut genug ist? Und kann er sicher sein, dass die Grafikdatei, die er übermittelt, auch richtig in der Druckfirma ankommt?

Wie lang dauert das dann, bis das Arbeitsgwand fertig ist? Und muss er es abholen, oder wird es zugestellt?

Fragen über Fragen… All das schwirrt Klaus im Kopf herum, als seine Frau ihn auf die leidigen Hausaufgaben anspricht. Was aus seinem Mund kommt, ist nur ein unwilliges: „Geh bitte, lass mich in Ruhe.“ Klaus hat wirklich genug zu tun, und er hat weder Zeit noch Lust, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Aus solchen und ähnlichen Geschichten haben wir gelernt:

Uns geht’s wie den meisten Leuten, die sich intensiv mit einer Sache beschäftigen: Für uns ist das alles selbstverständlich. Wir sprechen von Rakeln, Siebdimensionen, CMYK und Stickprogrammen, wie andere von Eiern und Mehl. Natürlich. Und manchmal könnte es auch uns dabei passieren, dass wir vergessen: Das, was für uns gelebter Alltag ist, könnte für unsere Kunden ein ganz fremdes Land sein.

Wenn man etwas tun möchte, was man noch nie gemacht hat, dann muss man genau dort auch abgeholt werden: Ganz am Anfang.