Hofer Druck GmbH – Treffling 75b / 9871 Seeboden
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Der Tag hat schon gruselig begonnen. Ich muss um 04:00 aufstehen, meinen Koffer packen, die Haare waschen und zum vereinbarten Treffpunkt fahren. Richard, unermüdlicher Technikfuchs, hat beschlossen, dass wir nach Deutschland reisen, um uns Druckmaschinen anzuschauen. Mir ist ein bisschen mulmig bei der Überlegung, für welche wir uns entscheiden und ob sie so gut funktionieren wird, wie wir uns das erhoffen. Einiges haben wir in den letzten Jahren ja schon erlebt, manches kann man sich ausmalen: Maschinen, die nicht halten, was sie versprachen. Mangelnde Auslastung. Kein Support, wenn`s Probleme gibt. Genug Grund also, sich Sorgen zu machen.

Doch ich wache nicht um 04:00 auf, sondern zwei Stunden früher. Mit ekelhaften Bauchschmerzen. Eine gute halbe Stunde wälze ich mich hin und her, bis ich erkennen muss: Es hat keinen Sinn, ich kann nicht weiterschlafen. Also aufstehen, die Zähne zusammenbeißen, mich fertigmachen.

Und ich bin ein bisschen stolz. Ich hab`s geschafft. Eines habe ich allerdings noch zu erledigen, bevor ich zum Treffpunkt aufbrechen kann: die Pferde füttern. Mit dem Auto zwei Minuten. Die Hauptstraße entlang, dann den Waldweg hinauf zum Stall. Kein Problem. Doch nach einer Minute vierzig wird klar: Ich habe ein Problem. Ein ordentliches.

In der Nacht hat es geregnet. Und es ist Jänner. Du kannst es dir denken. Die Hauptstraße ist gut gesalzen, da fiel es nicht auf. Aber auf dem letzten Stück zum Stall hinauf überfällt mich die Erkenntnis: Die Kombination aus stundenlangem Regen und nächtlichen Jänner-Temperaturen ist nicht ideal. Ebenso wenig, unter diesen Bedingungen schwungvoll einen Waldweg hinaufzufahren. Auf dem steilsten Stück komme ich zum Stehen. Ich versuche, hangabwärts zurückzufahren, doch das Auto rutscht einen halben Meter nach unten. Vorwärts ist nicht mehr möglich, weil die Reifen auch da keinen griffigen Boden finden. Hm. Das ganze im Finstern, allein, um 05:00 früh und bei Starkregen.

Ich beschließe, zuerst mal auszusteigen und die Pferde zu versorgen. Da kann ich überlegen, was als nächstes zu tun sei, denke ich mir. Vorsichtig öffne ich die Fahrertür. Ich halte dabei fast die Luft an, doch es nützt nichts. Schon allein diese vorsichtige Bewegung motiviert mein Auto zu einer Rutschbewegung nach hinten. Blöd, wenn das Auto mit dem Hinterteil zum Tal zeigt. Wie kann ich aussteigen, ohne dass ich von der offenen Fahrertür umgerissen werde, wenn die Rutschpartie weitergeht? Und was ist, wenn der eisige Weg mir die Füße wegzieht und ich unter dem Auto lande? Ich überlege. Mir wird heiß in meiner dicken Winterjacke. Und ein bisschen fange ich schon an, mich über mich zu ärgern.

Wie ich es bewerkstelligt habe, unbehelligt aus meinem Fahrzeug zu gelangen, weiß ich nicht. In meiner Erinnerung waren es schlangenhafte Bewegungen in höchster Konzentration, wie bei James Bond. Auch wenn ein Beobachter das vielleicht anders gesehen hätte, Tatsache ist: Plötzlich stehe ich neben dem Waldweg, ein Stück oberhalb des Autos. Außer Gefahr. Ich taste nach der Taschenlampe in meiner Jackentasche und will mich gerade zum Stall hinwenden, als ich es sehe. Mein Auto fährt ohne mich. Der Schlüssel steckt, die Lichter sind an. Und langsam, wie von Zauberhand, mit arretierten Rädern, bewegt es sich. Während mein Herz stillsteht.

Was soll ich sagen. Es ist alles gut ausgegangen. Die Rutscherei geht nur zwei Meter, dann stoßen die Reifen an die Böschung. Ich atme tief durch und gehe erstmal Richtung Stall. Und auf dem Weg dorthin bemerke ich, unter einem Kübel versteckt und mit einer Schaufel beschwert, einen Sack. Gefüllt mit Streusalz. Erst jetzt erinnere ich mich, dass meine Freundin es mir am Anfang des Winters mitgebracht und gemeint hat, vielleicht wäre es mir noch mal nützlich. Oh vielen Dank, liebe Anja!

Plötzlich wird alles leicht. Nachdem ich Salz auf den Weg gestreut habe, gehe ich nun endlich zu den Pferden, die mich mittlerweile bemerkt haben und jetzt schon ungeduldig auf ihr Futter warten. Die Schritte auf dem Eis sind kein Problem, denn ich habe Spikes über meine Schuhe gezogen.
Ich hatte sie in der Jackentasche ertastet, als ich die Taschenlampe finden wollte. Während ich bei den Pferden bin, frisst sich das Salz unter meinem Auto so tief ins Eis, dass ich danach gefahrlos rückwärts nach unten fahren kann.

Und mir wird klar: Es gibt ein paar Zutaten, die Abenteuer gut ausgehen lassen. Egal, ob es sich um ein rutschendes Auto oder die Entscheidung für eine neue Druckmaschine handelt. Ein bisschen Glück muss man haben. Kluge Vorbereitung. Und die Gelassenheit, eine Aufgabe nach der anderen in aller Ruhe abzuarbeiten. Wenn dann noch Menschen dazukommen, die nicht nur mit-, sondern sogar vorausdenken, kann (fast) nichts mehr schiefgehen.

Die Bauchschmerzen sind weg, auf einen Schlag. Und jetzt geht`s los. Richtung Deutschland. Zeigt her eure Druckmaschinen.